Gesagt ist nicht gleich verstanden

Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun ist ein wichtiger Schlüssel, um Missverständnisse und Konflikte besser zu verstehen. Es zeigt, dass wir jede Nachricht auf vier verschiedenen Ebenen hören können: mit vier unterschiedlichen „Ohren“.

Ein einfaches Beispiel: Ein Mann sagt zu seiner Frau: „Die Milch ist alle.“

Je nachdem, mit welchem Ohr sie die Aussage hört, kann sie ganz unterschiedlich reagieren:

  • Sachohr: Sie versteht die reine Information: Die Milch ist leer.
  • Appellohr: Sie hört die Aufforderung: „Kaufen Sie bitte Milch.“
  • Selbstoffenbarungsohr: Sie vermutet, dass ihr Mann gerne Milch trinken möchte.
  • Beziehungsohr: Sie versteht die Aussage als Vorwurf: „Sie haben vergessen, Milch zu kaufen!“

Ob wir eine Nachricht auf diese Weise interpretieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab: unserer momentanen Stimmung, unseren persönlichen Erfahrungen, dem Tonfall und der Beziehung zu unserem Gegenüber. Gerade das Beziehungsohr kann dabei schnell zu Missverständnissen führen.

Auch andere Alltagssituationen zeigen, wie leicht Kommunikation schiefgehen kann. Sagt jemand: „Der Mülleimer ist voll“, kann das als reine Information verstanden werden. Der andere bestätigt mit „Ja“, ohne den Müll tatsächlich hinauszubringen. Während der eine denkt, die Aufgabe sei verstanden, wartet der andere auf eine Handlung. Der Satz sollte ursprünglich ans Appellohr gehen, wurde jedoch auf dem Informationsohr empfangen. Schon entsteht Konfliktpotenzial.

Wie lassen sich solche Missverständnisse vermeiden?

Der wichtigste Schritt ist, nicht sofort zu reagieren, sondern zunächst nachzufragen: „Wie haben Sie das gemeint?“ So lassen sich vermeintliche Vorwürfe häufig schnell klären. Wenn Sie eine konkrete Handlung erwarten, sollten Sie diese möglichst direkt und freundlich formulieren: „Können Sie bitte den Müll hinausbringen?“

Ebenso wichtig ist es, das eigene Kommunikationsverhalten zu beobachten. Hören Sie besonders häufig mit dem Beziehungsohr? Fühlen Sie sich schnell angegriffen? Oder interpretieren Sie Aussagen oft als Aufforderung, obwohl sie nur eine Information sind?

Je besser Sie sich selbst und Ihr Gegenüber kennen, desto leichter können Sie Missverständnisse erkennen und Konflikte vermeiden.

Mein Tipp: Hören Sie genau hin, hinterfragen Sie Ihre erste Interpretation und sprechen Sie Unklarheiten möglichst früh an. Denn nicht immer ist das, was wir hören, auch das, was unser Gegenüber sagen wollte.

Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei, die vier Seiten einer Nachricht im Alltag zu entdecken und Ihre Kommunikation bewusster und gelassener zu gestalten!

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